Die EVP steht, aber die Bewerberkommunikation spiegelt das nicht wieder! So war die Ausgangssituation in diesem (anonymisierten) Fallbeispiel eines international agierenden Konzerns mit Sitz in Deutschland. Die EVP war von innen heraus entwickelt worden, nun galt es, die externe Kommunikation auf der Karriereseite wie auch im Recruitingprozess entsprechend anzupassen.
Insbesondere in Bezug auf folgende Aspekte wurde im Vergleich zum vorherigen Auftritt viel Wert gelegt auf:
- Beibehaltung standardisierter, systemgenerierter Textbausteine, die aus dem Bewerbermanagementsystem (SAP-basiert) generiert werdenen.
- Duzen statt Siezen
- Mehr Emotion und Menschlichkeit in der Tonalität
- Betonung des Differenziators „Connecting Power“
- Deutsche Sprache im Fokus als Grundlage für eine spätere Adaption ins Englische
- Vereinfachung in Sprache und Prozess
Analyse: Den Status Quo verstehen & verändern
Das Projektteam lieferte zunächst die aktuellen Templates, die systemgeneriert vom System an Bewerbende während des Recruitingprozess entstehen. Dabei handelte es sich um insgesamt 78 Text-Bausteine von Anlegen eines Kontos im System bis zur Vertragsunterschrift.
Auf dieser Basis legten wir eine Vorher-Nachher-Tabelle an und fokussierten uns zunächst auf relevante Punkte, die generell gelten sollten.
- Sie wurde auf Du umformuliert
- Komplexe, redundante oder unnötige Aspekte wurden entfernt
- Der Hashtag #connectingpower mit Link zur Corporate Linkedin-Seite wurde integriert
- Wir-Formulierung statt „ich“ (das HR-Team als Absender statt wechselnde Einzelpersonen)
- Einladende Kommunikation statt Imperative („Du kannst uns gerne …“ statt „Schicken Sie uns …“)
Anschließend wurden alle Textbausteine inhaltlich auf Logik und Verständlichkeit einzeln überprüft und nachgeschärft.
Es zeigte sich, dass viele Texte und Anwendungen z.T. auch veraltet oder widersprüchlich waren. Die Connecting Power war kaum erlebbar.
Umsetzung: Genauigkeit vor Geschwindigkeit
Für den dann folgenden Prozess wurden knapp zwei Wochen benötigt bis zur ersten Abstimmung. Der Kunde erhielt ein bearbeitbares Dokument, in das wir Kommentare und Rückfragen eingebaut hatten. Auf diesem Weg konnte der Kunde die Texte erstmalig prüfen und mit uns interagieren.
Danach folgte eine zweite Überarbeitungsphase, die ca. 10 Tage dauerte. Im Anschluss trafen wir uns 2x 1 Stunde mit dem Kunden und gingen gemeinsam alle Texte durch und klärten letzte Fragen. Nach dieser finalen Runde und Nachschärfung wurden dem Kunden die finalen Texte zur Einarbeitung in SAP und die englische Übersetzung übergeben.
Fazit: Das hätte mit KI nicht geklappt
Jenseits von konsistenter Sprachlichkeit in Begriffen und Formulierungen, zeigte sich, dass die inhaltliche Auseinandersetzung und das proaktive Nach- und Hinterfragen einzelner Bausteine maßgeblich wichtig waren, um die Kommunikation sinnhaft und gut aufzubereiten.
Projektstart: April 2024
Projektabschluss: Juli 2024
Kunde: Keine Freigabe zur Nennung
Team: Vera Koltermann (Beratung & Strategie), Anke Schölzel (Text)



